Grüne Stadtkühlung und soziale Gerechtigkeit in europäischen Städten

Green roofs to provide cooling in cities, tags: und soziale gerechtigkeit - CC BY-SA

Mit den immer heftigeren Hitzewellen in Europa wird die Ungleichheit beim Zugang zu grünen Kühlungslösungen immer offensichtlicher.

Eine aktuelle Studie hebt die zunehmenden Sorgen über Ungleichheiten bei der städtischen Klimaanpassung hervor.

Die in Nature Cities, einem Peer-Review-Journal für interdisziplinäre Forschung zu städtischer Nachhaltigkeit, Governance und Infrastruktur, veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass grüne Infrastruktur innerhalb von Städten ungleich über sozioökonomische Gruppen verteilt ist.

Zugang zur Kühlung hängt von Einkommen und Status ab

Begrünte Flächen wie Parks oder baumgesäumte Straßen kühlen das Stadtklima erheblich. Doch gerade einkommensschwache Viertel haben oft kaum Zugang zu diesen Kühlleistungen, was ihre Verwundbarkeit gegenüber steigenden Temperaturen erhöht.

Bewohner*innen wirtschaftlich benachteiligter Viertel leiden am stärksten unter extremer Hitze. Dicht bebaute Gegenden ohne Bäume, Grünflächen und gut gedämmte Gebäude speichern Wärme, und viele Menschen wohnen in schlecht belüfteten Wohnungen ohne Klimaanlage.

Mieter*innen, Zugewanderte und Arbeitslose stoßen zusätzlich auf Hürden durch Stadtplanung und soziale Ungleichheiten und sind daher besonders gefährdet.

Dagegen profitieren einkommensstarke Haushalte, Einheimische und Eigentümer*innen deutlich häufiger von grünen Flächen und deren Kühlwirkung.

Hitzeexposition in Städten erfassen

Die Studie verknüpft mikrometeorologische Daten, Satellitenbilder und Simulationsmodelle, um zu ermitteln, wie stark Bürger*innen Hitze ausgesetzt sind.

Forscher*innen zweier bedeutender italienischer Institute spielten dabei eine zentrale Rolle: das Euro-Mediterranean Center on Climate Change (CMCC), Italiens führendes Klimaforschungsinstitut, sowie der National Research Council (CNR), die größte öffentliche Forschungseinrichtung des Landes.

Beide Einrichtungen nutzten Daten des Integrated Carbon Observation System (ICOS), eines europäischen Netzwerks, das Ökosysteme und Klimavariablen in mehreren Ländern überwacht.

ICOS Italien trägt zu diesem Netzwerk bei und betreibt gemeinsam das Ecosystem Thematic Centre, das die Erfassung und Qualitätskontrolle von Ökosystemdaten europaweit koordiniert.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer inklusiven Stadtplanung, die eine gerechte Verteilung von Grünflächen in den Vordergrund stellt, um urbane Hitzeinseln zu mindern und die öffentliche Gesundheit zu verbessern.

Wenn Städte grüne Infrastruktur konsequent in die Planung integrieren und für alle zugänglich machen, stärken sie ihre Klimawiderstandsfähigkeit und fördern soziale Gerechtigkeit.

Die Forschung macht deutlich, dass Entscheidungsträger*innen bei der Planung städtischer Grünflächen sowohl ökologische als auch soziale Faktoren berücksichtigen müssen.

Angesichts wachsender Städte und immer häufiger werdender Hitzewellen durch den Klimawandel ist es entscheidend, diese Ungleichheiten abzubauen, um anpassungsfähige und gerechte Städte zu schaffen.